Ein Arbeitsblatt, drei Niveaus – differenzieren mit KI
Kaum eine Aufgabe verschlingt so viel Vorbereitungszeit wie echte Differenzierung. Dasselbe Thema für unterschiedliche Leistungsniveaus aufzubereiten bedeutet im Grunde, ein Arbeitsblatt zwei- oder dreimal zu schreiben. Genau hier kann KI einen großen Teil der mechanischen Arbeit übernehmen, während die didaktische Entscheidung bei dir bleibt.
Der Ausgangspunkt
Am einfachsten ist es, nicht bei null anzufangen, sondern von einem Material auszugehen, das du ohnehin schon hast. Ein bestehendes Arbeitsblatt, ein Text, eine Aufgabensammlung. Diesen Ausgangspunkt gibst du der KI vor und lässt daraus die Varianten ableiten. Das führt zu konsistenteren Ergebnissen, als wenn die KI alles frei erfinden soll.
Der Prompt
Angenommen, du hast einen Sachtext samt Fragen zum Thema Wasserkreislauf und möchtest daraus drei Niveaustufen machen:
„Du bist eine erfahrene Lehrerin und differenzierst Unterrichtsmaterial. Hier ist mein Arbeitsblatt zum Wasserkreislauf: [Text und Aufgaben einfügen].
Erstelle daraus drei Varianten für dieselbe Klasse:
eine leichtere Version mit einfacheren Sätzen, kürzeren Texten und stärker gelenkten Aufgaben,
die mittlere Version etwa auf dem jetzigen Niveau,
eine anspruchsvollere Version mit offeneren Fragen und einer Transferaufgabe.
Behalte die Inhalte und die Reihenfolge bei, sodass alle drei Gruppen am selben Thema arbeiten. Gib die drei Versionen nacheinander aus."
Du bekommst in kurzer Zeit drei aufeinander abgestimmte Fassungen, die du nur noch prüfen und anpassen musst.
Was sich noch abwandeln lässt
Der gleiche Ansatz funktioniert für viele Formen der Differenzierung. Statt nach Schwierigkeit kannst du nach Sprachniveau differenzieren lassen, etwa mit einer Version in einfacherer Sprache für Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen. Du kannst um gestufte Hilfen bitten, also kleine Tippkärtchen für die, die nicht weiterkommen. Oder du lässt zu einer Aufgabe eine Zusatzaufgabe für Schnelle erstellen, damit niemand unterfordert wartet.
Was du prüfen solltest
Zwei Dinge lohnen den kurzen Kontrollblick. Erstens die fachliche Richtigkeit: Gerade bei der leichteren Version vereinfacht die KI manchmal so stark, dass etwas sachlich schief wird. Das musst du gegenlesen. Zweitens, ob die Niveaus wirklich unterschiedlich sind. Gelegentlich unterscheiden sich die Varianten weniger, als der Auftrag vermuten lässt. Dann hilft eine klare Nachfrage: „Mach die leichtere Version deutlich einfacher, kürzere Sätze, ein Beispiel pro Aufgabe."
Die eigentliche Entscheidung, welches Kind welche Version bekommt und ob die Abstufung pädagogisch sinnvoll ist, nimmt dir kein Tool ab. Was es dir abnimmt, ist das mehrfache Abtippen und Umformulieren – und damit die Zeit, die Differenzierung im Alltag so oft verhindert.